Keine Angst vor Hanf!

In seinem knapp gefassten und 2014 erschienenen Buch legt Mathias Bröckers dar, warum eine Legalisierung des Hanfs längst überfällig ist. Analog zu seinem früheren Werk „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“, welches in Hanfkreisen als Standardwerk gilt, zeigt Bröckers die Entwicklung aus dem historischen Zusammenhang.
Unter US-Führung, besonders Harry Anslinger als Leiter des Drogenbüros FBN, wurde die Nutzpflanze Hanf in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts verteufelt und durch entsprechende Medienpropaganda als gefährliche Droge, als Marihuana, in den Köpfen der Bevölkerung etabliert. Fortgesetzt wurde seine Negativarbeit ab1948 dann international in der UNO.
Der Autor zeigt auf, wie überfällig heute die Neuausrichtung der Gesetzgebung ist, um den Hanf unterschiedlichen Menschen als Genussmittel oder Medizin wieder zugänglich zu machen. Alle alten Dogmen über Hanf seien heute als Unwahrheiten enttarnt, spukten aber immer noch latent in den Köpfen.
Ob das Märchen von der Einstiegsdroge, das angebliche Führen zu starken gesundheitlichen Schäden, die starke Cannabis-Abhängigkeit von 200.000 jungen Menschen in Deutschland oder das Konterkarieren aller Präventionsbemühungen durch Legalisierung, alle Punkte werden aufgegriffen und nicht ohne eine gewisse Polemik widerlegt.
Man kann dem Autor anmerken, dass er schon über viele Jahre versucht, die alten Halb- oder Unwahrheiten richtigzustellen. Dadurch wirkt sein Schreibstil, obwohl kurzweilig zu lesen, gelegentlich etwas anklagend und sogar genervt. Außerdem bedient er sich durch seine zahlreichen Wiederholungen letztlich der gleichen Methode wie ehemals die Prohibitionsbefürworter: wiederhole etwas häufig genug und es etabliert sich als Wahrheit. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Bröckers Tatsachen wiederholt und nicht versucht, Unwahrheiten als Wahrheiten zu etablieren.
Aufklärend ist dieses Buch in jedem Fall, besonders für Menschen, die bisher geringe Kenntnis von Cannabis Sativa hatten. Auch ist es geeignet für all jene, die bisher nur die alte Prohibitionspropaganda verinnerlicht hatten. Jenen bietet es einen zeitgemäßen, angenehm zu lesenden Abriss über den Legalisierungsstand in Deutschland und einen Blick über den Tellerrand hinaus in Länder wie die USA oder Holland. Aus den aufgezeigten Verhältnissen folgt letztlich ganz natürlich das Postulat der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes.
Schließlich fragt man sich nach Beendigung der Lektüre, wie eine so nützliche und relativ harmlose Pflanze wie Nutzhanf so lange und fast gänzlich aus dem Alltag der Menschen verdrängt werden konnte. Offenbar war die Lobbyarbeit über Pharma- und Chemiekonzerne sehr geschickt und beharrlich über die Jahrzehnte, aus der Retroperspektive mit heutigem Wissensstand ist das Festhalten am „war on drugs“ im Falle Hanf nicht mehr nachvollziehbar und Aktivität durch die Politik stärker denn je gefragt: Entkriminalisierung für Hanf!

Datum: Thursday, 2. April 2015 15:52
Themengebiet: Wir über uns | Trackback: Trackback-URL
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